DWC-Ziegler


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Reise nach England 2002

Bilder

Tagebuch einer Reise

England, Nord Wales und Schottland, 8. - 20. August 2002
von Walter Wyttenbach, Augst

Donnerstag, 08. August 2002
Pünktlich um 06.45 Uhr, wie wir das von Markus gewohnt sind, trifft er mit Maria an unserem Domizil in Augst ein. Der Offroader wird beladen und eingerichtet. Um 07.00 Uhr starten wir zu unserer unvergesslichen Reise auf der Autobahn in Richtung Basel, Kehl, Strasbourg, Metz, Reims, St. Quentin, nach Calais-Hoverport. Gemäss Boarding-Card starten wir mit der "Seacat" Schnellfähre. Um 17.00 Uhr werden die Fahrzeuge verladen, man fährt auf die Fähre und verlässt anschliessend das Fahrzeug und geht an Deck. Das Abenteuer beginnt, wir stellen unsere Uhren um eine Stunde zurück, geniessen die Seeluft und schiessen einige Bilder von dieser rassigen Überfahrt. Mit diesem Schnellboot überholen wir unterwegs einige herkömmliche Fähren, die ebenfalls unterwegs nach Dover sind.

Dort eingetroffen, passieren wir den Zoll und fahren weiter - drive on the left - zu unserem Tagesziel, dem Hotel Ashford International in Ashford. Bei einem Apéro an der Bar und anschliessendem Nachtessen im Hotel-Restaurant besprechen wir noch den nächsten Reisetag.

Freitag, 09. August 2002
Um 08.00 Uhr treffen wir uns zum Frühstück "ohne weisse Böhnchen", wegen der neuen Abgasvorschriften in England, und besprechen nochmals die Reiseroute nach North Wales und den bevorstehenden Tagesablauf. Um 10.30 Uhr Abfahrt Richtung London auf der M25 Nord-Umfahrung durch den Dartford-Tunnel nach Luton, Northamton, Birmingham, Shrewsbury, Oswestry, Llanghollen nach Betws-y-coed. Eine landschaftlich eindrückliche Fahrt mit grossen Weiden mit einer Vielzahl von Schafen verschiedener Rassen, die sich auch ab und zu auf die Fahrbahn verirren.

Gegen Abend landen wir am Dorfeingang von Betws-y-coed an einer Shell-Station, um den komplett leeren Tank wieder aufzufüllen. Wir beschliessen an diesem Ort eine Herberge zu suchen, und nach einigem hin und her findet Markus eine Bleibe im "The Gwydyr-Hotel". Für das Nachtessen suchen wir vergeblich den angesagten "Little Chef", finden aber trotzdem ein gutes Restaurant. Etwas müde von der langen, aufregenden Fahrt, besprechen wir an der Bar den morgigen Tag und legen uns anschliessend zur Ruhe.


Samstag, 10. August 2002

Um 09.15 Uhr Abfahrt in Richtung Porthmadog. Nach einer relativ kurzen Fahrt über das Hochland, hinunter zum Hafen nach Porthmadog (mit Strassenzoll!), erreichen wir den Parkplatz und die Station der "Rheilffordd Ffestiniog Railway".


Diese Bahn wurde 1832 gegründet und ist die älteste, unabhängige Bahn der Welt! Sie ist eine der bedeutendsten Touristenattraktionen in North Wales und wird pro Jahr von ca. 180'000 Personen besucht. Das Stationsgebäude mit Fahrkartenschalter, Restaurant und Souvenir-Shop und die Gleisanlagen sind original im alten Stil und gut erhalten. Das Lok-Depot befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite des ca. 1 km langen Dammes. Wir starten pünktlich um 10.25 Uhr und geniessen eine wunderbare Sicht, auf der rechten Seite über die Bucht von Porthmadog, auf der Linken auf das Tal und die Berge von Snowdonia. Wir fahren in das Landesinnere, entlang von Bergseen und Wasserfällen, breiten Flusstälern, ruhigen Ebenen und dichten Wäldern auf den 13 ½ Meilen langen Geleisen. Auf der Fahrt mit der historischen Lok mit 2 Heizkesseln durch das Tal nach Blaenau Ffestiniog geht es über steile Anhöhen und durch einige Tunnels. Die originalen Bahnwagen sind 1. und 2. Klasse, alles Nichtraucher-Abteile, teilweise ausgerüstet mit WC, sogar Snacks und Erfrischungen werden von einem Kellner (oder einer Kellnerin) serviert.



Ankunft in Blaenau Ffestiniog um ca. 12.00 Uhr. Wir geniessen die Umgebung mit den schönen Bahnanlagen, die Lok wird mit Wasser betankt und für die Rückfahrt bereitgestellt. Im Bahnhof-Shop decken wir uns mit einigen Souvenirs ein und genehmigen im Bahnhof-Buffet einen warmen Tee und ein Sandwich. Um 12.55 Uhr besteigen wir einen anderen Zug und erleben eine zügige Fahrt (die Wagen springen fast aus den Schienen), zurück nach Porthmadog, wo wir um ca. 14.00 Uhr eintreffen. Um 14.30 Uhr geht die Fahrt mit dem Offroader weiter Richtung Manchester, Leeds nach York. Vor York halten wir um ca. 19.00 Uhr an einer Travelodge mit "Little Chef" in Tadcaster und übernachten dort.
Sonntag, 11. August 2002
07.30 Uhr Frühstück im "Little Chef" und Wetterkunde, alles OK. 09.15 Uhr geht's los über York nach Driffield. Wir treffen um ca. 11.00 Uhr auf dem Rally-Parkplatz ein. Das "Driffield Steam and Vintage Rally" ist eine mittelgrosse aber gut organisierte Veranstaltung. Auf dem Showground ist schon einiges los, wir Männer begeben uns zu den Dampfmaschinen und unsere beiden Frauen zu den Marktständen. Als ersten Bekannten begrüssen wir Derek Rayner mit seiner Walze Aveling & Porter "White Rose".




Einige Schritte weiter präsentiert Mick Walters seinen Garrett Steam Lorry (Dampflastwagen) Jahrgang 1926, den ältesten noch vorhandenen aus der Garrett-Produktion. Markus führt mit dem Besitzer ein Fachgespräch, wir dürfen dieses Vehikel besteigen und uns diverses erklären lassen.
Mittlerweile spricht es sich herum, dass sich Besucher aus der Schweiz auf dem Rally-Feld befinden. Beim Shop von Carol und Glyn George, wo ich eine Uhr für unser Clublokal mit dem Bild von unserer Aveling-Dieselwalze kaufe, begrüsst uns offiziell die oberste Verantwortliche dieser Veranstaltung, Mrs P. Byass und sie lädt uns höchstpersönlich ein, an diesem Rally einmal mit Dampfwalzen teilzunehmen. Die Adressen werden ausgetauscht, um zu gegebener Zeit etwas zu organisieren. Zurück bei "unseren" Dampfmaschinen treffen wir Glyn MacDonald mit seiner Fowler-Walze "Ida". Markus erzählt ihm, dass wir ihn spätestens in Lincoln an "seinem" Rally wieder treffen werden.
Zwischen den dampfenden und schnaubenden Maschinen besuchen wir auch John Rex und Freundin, den Hersteller des Dampfmodells von Markus. Sein Mitarbeiter ist auch anwesend, er startet soeben mit einem Dampflastwagen-Modell zur bevorstehenden Parade.
Wie abgemacht treffen wir auf Graeme, Anne, Margareth und Albert Thirkell. Zusammen begeben wir uns zur Parade aller Dampfmaschinen, die der Speaker einzeln vorstellt. Anschliessend werden auf dem Platz der Arena 6 Dampf-Traktoren aufgereiht und aneinander gehängt, so dass die erste und stärkste Maschine die ganze Komposition mit ca. 80 Tonnen Gewicht durch den Show-Ring ziehen kann. Wir bewundern auch einige Showman's, das ganze wird von uns im Bild festgehalten. Gegen Abend fahren wir unter kundiger Führung von Graeme und Albert durch wunderbare Landschaften nach Helmsley, ein sagenhaft schöner Ort mit alten Häusern und geschmückten Blumenampeln, altes Gemäuer, das jahrhundertalte Geschichten zu erzählen wüsste.



Am Wohnort von Graeme und Anne eingetroffen, begleitet er uns zu seiner grossen Werkstatt; was es da alles zu sehen gibt an Maschinen und Gerätschaften. Ein Fowler-Traktor und ein Original Fowler Anhänger, total zerlegt. Verschiedene Teile sind schon restauriert und warten auf ihre Montage. Das Dampfmodell von Markus liegt vor uns, zerlegt und neu lackiert. Am liebsten würde ich mich an den Arbeiten beteiligen. Nach einem gemeinsamen "Supper" (Tee mit Gebäck) geht auch dieser Tag zur Neige und wir geniessen die angenehme Nachtruhe.
Montag, 12. August 2002
Das Wetter ist gut und wir geniessen das Frühstück, das uns Anne liebevoll zubereitet hat. Die Reise führt uns heute nach Schottland. Schottland ist, wie Griechenland, hügelig, mit vielen kleinen vorgelagerten Inseln und einer komplizierten Geschichte, von der sich die Romantiker angezogen fühlen. Doch hier hört die Ähnlichkeit schon auf; im Hochsommer benötigt man hier einen Schirm eher als Schutz vor dem Regen als vor der Sonne. Ein Hochlandgewitter gehört aber mit zur Faszination dieses Landes. Unser Tagesziel heisst Inverness. Die Routenwahl führt uns über Newcastle zum Northumberland Nationalpark an die schottische Grenze nach Carter Bar. Zu unserem Erstaunen empfängt uns am angeschriebenen Grenzstein ein Dudelsackspieler in seiner Tracht.



Unsere Fahrt geht weiter über Jedburgh, Newtown, St. Boswells, Lauder, nach Edinburgh. Wir fahren über die berühmte Forth Road Bridge wo noch der Brückenzoll für Überfahrer gang und gebe ist. Dann geht es nach Perth, Pitlochry über das nördliche Hochland, Kingussie, Aviemore zu unserem Tagesziel Inverness. Wir fahren durch den Stadtkern zum River Ness und suchen ein "Bed & Breakfast". In einem Pub geniessen wir an der Bar den Schlummertrunk und lassen die Bilder des Tages nochmals auf uns einwirken.
Dienstag, 13. August 2002
Unser heutiges Ziel heisst John O'Groats! Die Route führt uns über Alness-Tain-Dornoch der Ostküste entlang zum nördlichen Hochland nach Golspie-Brora-Helmsdale-Wick und weiter nach John O'Groats. Vorbei an einigen Ölbohrinseln in der See treffen wir in Golspie ein. Nach einem kurzen Lunch fahren wir weiter Richtung Berriedale. Die Strasse windet sich abenteuerlich um die Abhänge des Ord of Caithness und weiter nach Dunbeat, wo noch ein paar alte Hummerfangboote an die glorreichen Zeiten erinnern. Wir fahren vorbei an einer Hinweistafel mit der Aufschrift "Highland Meeting". Die Treffen in den Highlands werden auch "Oatmeal Olympics" genannt (etwa: Müesli-Olympiade). Leider können wir diese Veranstaltung nicht besuchen, da sie erst auf den 24. August festgelegt ist. In Wick angelangt, durchqueren wir das kleine Städtchen und fahren auf den Parkplatz der Glashütte "Caithness-Glass", das wohl berühmteste Produkt aus Wick. In einem grosszügig angegliederten Besucher-Restaurant verpflegen wir uns, um anschliessend auf den Rundgang durch die Fabrik zu gehen. Die vielen Öfen und Glasbläser, die wunderbare Glaswaren in allen Variationen, Farben und Formen herstellen, beeindrucken uns sehr.
Weiter geht es nach John O'Groats, hier findet sich eine unvergleichliche Klippenlandschaft. Auf der anderen Seite des Pentland Firth liegen die Orkney-Inseln wie riesige gestrandete Wale. Ein Holländer, Jan de Groot, kam 1500 auf Befehl von James IV hierher, um einen Fährbetrieb nach Orkney einzurichten um so die Oberhoheit über das vormals skandinavische Gebiet zu demonstrieren. Es verkehrt von Mitte Mai bis September ab John O'Groats auch eine reine Passagierfähre nach den Orkney-Inseln. Das Schiff fährt zweimal täglich, einschliesslich sonntags und die Überfahrt dauert ca. 40 Minuten.
Wir entschliessen uns, zurück nach Wick zu fahren, dort finden wir bei einer netten und zuvorkommenden Lady zwei exzellente Doppelzimmer. Zu Fuss begeben wir uns in das kleine Städtchen Wick und verpflegen uns in einem Pub. Schottland ist zwar kein kulinarisches Paradies, aber das bestellte Menu inkl. Dessert schmeckt allen. Nach einem letzten Drink schlendern wir durch das Städtchen in Richtung Unterkunft und legen uns zur Ruhe.
Mittwoch, 14. August 2002
Es gibt bestimmt keine bessere Art zu frühstücken und den Tag zu beginnen, als mit dieser Auswahl und Qualität, die uns die Schlummermutter zu bieten hat. Um 10.00 Uhr geht die Fahrt weiter, zurück nach John O'Groats, um noch einige Besorgungen zu machen. Auf einer Wiese bei einer kleinen Bauunternehmung entdecken wir eine rostige und total verwahrloste Aveling-Dieselwalze.




Die Fahrt geht weiter in Richtung Thurso zur Ortschaft Mey. Ausgerechnet heute steht das Castle of Mey, die Sommerresidenz der Queen Mum, der Öffentlichkeit erstmals zur Besichtigung offen, wie wir von unserer Lady erfahren konnten. Wir besichtigen den schönen Blumen- und Gemüsegarten, die wunderbar angelegte Parkanlage und die geschmackvoll, mit vielen Antiquitäten ausgerüsteten Räume im Schloss. Für uns ist das ein sehr eindrückliches Erlebnis. Um 13.00 Uhr setzen wir unsere Reise fort Richtung Thurso, durchqueren das nördliche Hochland über Roadsided und fahren hinunter zur Ostküste, nach Latheron und Helmsdale. Weiter geht's zurück nach Brora, Dornoch über den Doroch-Firth nach Inverness in Richtung Loch Ness. Hier könnte man in See stechen, zu einer Fahrt auf dem Loch Ness und sich "ein kleines Schlückchen in der heraufkriechenden Dämmerung" genehmigen. Das wird einem sicher auch helfen bei der Suche nach dem Monster, dem Ungeheuer von Loch Ness. In Anbetracht der regnerischen Wetterlage entschliessen wir uns, von diesem Abenteuer abzusehen und fahren weiter nach Fort Augustus, Invergarry zum Loch Lochy. Hinter dem Loch Lochy erreicht der Caledonian Canal über acht Staustufen namens "Neptune's Staircase" (Neptuntreppe) das Meer. In Fort William suchen wir vergeblich eine Schlafmöglichkeit, alles ist hoffungslos ausgebucht, wir befinden uns in einer Touristengegend. Also setzen wir die Fahrt fort zum Loch Leven, vorbei am Ben Nevis, mit 1340 m dem höchsten Berg Grossbritanniens, über Clencoe zum Pass of Clencoe, Bridge of Orchy, lehnen uns zurück in den Sitz und geniessen den überwältigenden Anblick von heidebedecktem Moor und glasklaren Lochs. Für die Eisenbahnliebhaber führt eine Linie von Glasgow nach Fort William und Mallaig (265 km), die sogenannte West-Highland-Linie, auf der den ganzen Sommer Dampflokomotiven eingesetzt sind. Die Strecke führt durch wildreiches Hügelland, das raue Rannoch-Moor und über den majestätischen Glennfinnan-Viadukt. In Tyndrum finden wir im "The Lodge House" endlich eine Bleibe für die Nacht.
Donnerstag, 15. August 2002
Dieser Morgen beglückt uns nach einer regnerischen Nacht mit einem typisch englischen Frühstück, mit allem Drum und Dran. Die Weiterfahrt beginnt um ca. 10.00 Uhr über Glen Falloch, dem Loch Lomond entlang, Alexandria, Dumbarton nach Glasgow. In der Nähe vom Hauptbahnhof finden wir in einer Einstellhalle einen Parkplatz und schlendern durch die Vincent Street in Richtung City.
Danach geht unsere Fahrt weiter auf die M8 Richtung Edinburgh, Tranent mit einem Zwischenhalt in dem kleinen Städtchen Haddington. Nach einem echt guten Kaffee und vorzüglichem Gebäck bei einem Italiener, fahren wir weiter in Richtung Dunbar an der Ostküste nach Berwick-upon-Tweed, wo wir eine passende Unterkunft finden. Die Stadt erhielt zwar den Namen des Flusses, der innerhalb der schottischen Grenzen entspringt und durch das Herz des schottischen Grenzlandes fliesst, doch sie gehört zu Northumberland in England.
Freitag, 16. August 2002
Um 05.30 Uhr (!) werde ich von Vreni geweckt und auf den einmalig schönen Sonnenaufgang aufmerksam gemacht. Etwas verschlafen blicke ich durch das Fenster mit Sicht auf das offene Meer und sehe am Horizont die in einem rot-gelben Farbton aufgehende Sonne. Ich schiesse einige Bilder von diesem einmaligen Ereignis. Bei einem stärkenden "genuine English breakfast" wird wie üblich das heutige Programm besprochen. Entlang der Ostküste fahren wir dann auf der A1 über Alnwick, Newcastle-upon-Tyne nach Newton Aycliffe und besuchen unsere Freundin Dawn Mason in ihrem Kletter-Center. Es ist ein herzlicher Empfang. Da die Zeit drängt, müssen wir uns aber bald wieder verabschieden. Wie verabredet fahren wir zur Familie Thirkell, wo wir bereits erwartet werden.
Um ca. 14.00 Uhr nehmen wir die Weiterfahrt zu unserem Tagesziel Lincoln unter die Räder, über Darlington auf die A1, Wetherby nach Knottingley und weiter auf die M18 und über die M180 direkt nach Lincoln zum Rally-Feld. Hier werden wir von einem Kontrolleur am Ausstellereingang angehalten und Markus fragt nach Dorothy Robinson und Glyn MacDonald. Es herrscht bereits ein emsiges Treiben, diverse Wohnmobile und Wohnwagen in allen Grössen verlangen mit entsprechenden Zutrittskarten Einlass auf das Areal. Nach kurzer Zeit kommt Dorothy mit ihrem Range Rover angefahren, wir werden von ihr mit grosser Freude empfangen und sie begleitet uns mit ihrem Fahrzeug auf einen geeigneten Parkplatz, wo wir auch von Glyn und einem Mitarbeiter herzlich begrüsst werden. Auf dem Gelände nehmen wir ein Auge voll, um zu sehen, was uns in den nächsten zwei Tagen erwartet. Da stehen schon einige prächtig restaurierte Traction Engines, Showman's und Walzen, die meisten noch auf dem Tieflader oder unter einer Blache zugedeckt. Die Besitzer richten sich in ihren Wohnmobilen häuslich für die nächsten Tage ein. Wir verabschieden uns von Dorothy und Glyn, verlassen das Areal und fahren auf einigen Umwegen (das Navigationssystem spielt uns einen Streich) nach Lincoln zum uns bekannten Marriott Hotel, wo wir bei einem gemeinsamen Nachtessen verwöhnt werden. Wir geniessen die angenehme Atmosphäre und die freundlichen Bedienung. Nach dem Essen schlendern wir bei angenehmen Temperaturen über die neu erstellte Hafenanlage. Auf dem Schiff-Restaurant im Hafen findet eine Geburtstagsparty zu Ehren von "Elvis" statt. Vis à vis ist eine Show-Bühne mit Konzertbestuhlung aufgestellt, die bereits von wartenden Fans gut besetzt ist. Kurze Zeit später taucht eine weisse Ford Lincoln "Stretch-Limousine" auf und ihr entsteigt der langersehnte "Reserve-Elvis". Mit seinen makellosen Vorträgen kann er die Zuhörer voll begeistern. Einige benutzen die Gelegenheit zum Tanz und der Sänger erntet ständig tosenden Applaus. Als Schluss-Bouquet dieser Veranstaltung wird vom Schiff aus ein ansehnliches Feuerwerk gezündet.

Samstag, 17. August 2002
Nach einem ausgiebigen Frühstück fahren wir aufs Rally-Gelände und der Tag zeigt sich schon bald von seiner schönsten Seite. Vorerst begeben wir uns zu den Dampfwalzen und -traktoren, die von ihren Besitzern tüchtig eingeheizt werden. Ständig treffen weitere Tiefgänger, beladen mit einer oder zwei Maschinen, auf dem Rally-Platz ein. Sie werden an ihren Standplätzen auf das Rally vorbereitet. Das nötige Wasser und die Kohlen werden von speziellen Fahrzeugen angeliefert. Die Maschinen werden von ihren Besitzern (inkl. Frau und Kindern) auf Hochglanz poliert und in den Augen dieser Idealisten können wir die Begeisterung für ihr Hobby spüren.



Diverse Besitzer und Freunde von Grame, Albert und Markus werden persönlich begrüsst und es finden einige interessante Fachgespräche statt. Die Stände haben schon offen und die Frauen freuen sich aufs "Shoppen". In Anbetracht der unterschiedlichen Interessen teilen wir uns auf. An diversen Shops sind alle möglichen Tools und Ersatzteile für Autos und Dampfmaschinen zu finden. An andern altes und neuzeitliches Porzellan, Nippsachen, Blumen - ob echt oder künstlich - die Auswahl ist gross und wird von Jahr zu Jahr umfangreicher. Dann wieder Stände mit Ramsch, einem Flohmarkt wie bei uns ähnlich. Wir bestaunen die vielen kleinen Dampfmodelle, sorgfältig gepflegt und gehegt, die auf dem Gelände stehen und bewegt werden. Auf einem separaten Platz bewundern wir alte Motorräder aus den 50er und 60er Jahren, wie "B.S.A.", "Triumph", "Sunbeam", "Ariel", "Matchless", "Jawa", "A.J.S.", "Norton", "Royal Enfield", "Indian”, "Vincent”, "Lambretta”, "Raleigh”, "Solex”, ca. 90 Zwei- und Dreiräder an der Zahl, alle top restauriert und fahrbar, eine Augenweide. Einige Schritte weiter stehen Militärfahrzeuge aus den beiden Weltkriegen in verschiedenen Tarnfarben in voller Ausrüstung, fahrbereit, mit allem möglichen Corpsmaterial und Munitionskisten. Auch ein Militär-Shop fehlt nicht, man kommt sich vor wie in einem Zeughaus, es werden Kampfanzüge, Kampfstiefel, alte Munitionskisten, Kampfrucksäcke, Gasmasken, Zelte, Maschinengewehre ohne Verschluss und vieles mehr zum Kauf angeboten. Nach Tee und Kuchen begeben wir uns zur bevorstehenden Parade der Dampfmaschinen, wo alle auf dem "Main-Ring" (Hauptfeld) vom Speaker einzeln vorgestellt werden. Wir gehen in Position und suchen einen guten Platz bei der Arena, wo auch optimales Licht für Fotoaufnahmen vorhanden ist. Die meisten Maschinen zeigen sich in tadellosem Zustand. Als Hersteller sind so bekannte Namen wie "Aveling & Porter", "Charles Burrell", "John Fowler", "Marshall", etc. dabei. Die Zeit vergeht viel zu schnell. Nach einem weiteren Besuch im Festzelt rückt die Zeit zur Rückfahrt zum Hotel immer näher. Dort ziehen wir uns um und machen uns frisch zum vorgesehenen Bummel über die Hafenpromenade zum Abendessen in Richtung City. Nach dem Essen entschliessen wir uns natürlich, nochmals auf das Rally-Gelände zurückzukehren, um die abendliche Feststimmung zu geniessen. Dort ist jetzt der "Lunapark" in allen Farben hell erleuchtet und vor dem Bierzelt sind einige "Showman's" in Reih und Glied aufgestellt. Im Zelt spielt in diesem Jahr leider keine Band, aber es ist trotzdem schwierig eine Sitzgelegenheit zu ergattern. Rund um das Hauptfeld spielen die verschiedenen Orgeln. Ein ganz besonderer Genuss stellt das Lichterspiel der "historischen Chilbi" und der ringsum beleuchteten Showman's dar. Maria und Markus drehen noch einige Runden auf den "Galloppers", eine "Resslirytti", die noch mit Dampf betrieben wird. Wir besichtigen nochmals die Burrell-Showman's und Gavioli-Orgel von Dorothy Robinson und lassen uns noch dies und das über diese Maschine erklären. Gegen 23.00 Uhr, es wird langsam kühl, entschliessen wir uns, ins Marriott zurückzufahren.




Sonntag, 18. August 2002
Um 08.30 Uhr treffen wir uns im Frühstücksraum, Graeme teilt uns mit, dass Anne im Zimmer bleibt, weil sie unter Migräne leide. Er werde mit ihr und Albert gegen Mittag die Rückfahrt nach Shildon antreten. Nach dem "check out" verabschieden wir uns von Graeme und Albert und wünschen Anne gute Besserung. Wieder prächtiger Sonnenschein, ein Postkartenwetter mit stahlblauem Himmel, ab und zu begleiten uns kleine weisse Wolken auf der Fahrt zum Rally-Feld.
Zwischen unzähligen Wohnwagen, Zelten, Tiefladern und verschiedensten Zugfahrzeugen sind in der angenehmen Morgenfrische überall verstreut die zu neuem Leben erwachenden Dampfmaschinen, Traktoren, Walzen, Showman's-Engines und andere Zeugen längst vergangener Zeiten zu erkennen.
Dazwischen puffen rauchend und zischend die oft bis ins kleinste Detail nachgebauten Modelle. Allenthalben wird geputzt, poliert, gehegt und gepflegt. Zwei top restaurierte Fowler Ploughing-Engines (Pflugmaschinen) machen bereits erste Fahrversuche. Im Gespräch mit dem Eigentümer wird deutlich, mit wie viel Aufwand diese Maschinen restauriert wurden. Sie standen als schrottreife Wracks dort, wo sie vor Jahren achtlos abgestellt wurden. So kommt es, dass viele der Maschinen sozusagen haupterneuert worden sind, also komplett zerlegt, Teil für Teil restauriert, in technisch einwandfreien Zustand gebracht und mehr oder weniger originalgetreu rekonstruiert worden sind. In einer dafür vorgesehenen Zone steht ein Dampftraktor der eine Kreissäge antreibt, eine schöne Demonstration der praktischen Anwendung solcher Maschinen.



In einer Halle stehen Kleinexponate von Modelleisenbahnen über wahrlich gigantische Konstruktionen, alle mit dem früher sehr bekannten Metallbaukasten "MECCANO" gebaut. Das Festprogramm ist das selbe wie am Samstag, nur hat es heute mehr Zuschauer. In wachsenden Scharen umschwärmen mehrere tausend Besucher die zahlreichen und seltenen Stücke, das Hauptfeld, das Bierzelt, die Verkaufs- und die Verpflegungsstände. Da und dort kommt ein Gespräch in Gang, man erzählt von früher. Nebst dem technischen Spektakel der ganz besonderen Art, erinnern sich vereinzelt ältere Leute an die Zeit, als Dampftraktoren und Dampfwalzen noch den Alltag prägten, und als es noch zu den besonders exklusiven Vergnügen gehört hat, den Duft der grossen weiten Welt an der jährlich wiederkehrenden "Chilbi" geniessen zu dürfen. Gegen 15.00 Uhr entschliessen wir uns, hier "die Zelte abzubrechen", verlassen das Gelände und fahren auf der A15 über Sleaford, Bourne, Peterborough, Bedford, Luton, London Nordumfahrung, nach Ashford zum "Ashford International". Beim Nachtessen besprechen wir die Rückfahrt Richtung Heimat, für Vreni und mich das erste Mal mit der Bahn durch den Kanaltunnel zum Kontinent.
Montag, 19. August 2002
Um 07.30 Uhr treffen wir uns zum letzten englischen Frühstück, das wir ausgiebig geniessen. Gepäck verladen, "check out" und los geht die Fahrt zum Bahnverlad in Folkstone. Um 08.25 Uhr löst Markus das Ticket für den Bahn-Transfer durch den "EURO-TUNNEL". Auf dem Ticket, ist der Buchstabe "H" aufgedruckt, d.h. unsere Überfahrt beginnt um ca. 10.00 Uhr. Um die Wartezeit zu überbrücken besteht eine Gelegenheit im naheliegenden Shopping-Center noch die letzten Pfunde auszugeben. Markus und ich betätigen uns derweil als Fahrzeug- und Parkwächter. Um 09.45 Uhr, werden wir über die Lautsprecheranlage aufgefordert, uns mit dem Fahrzeug in die Verladezone zu begeben. Voller Spannung fahren wir in den unteren Bereich der zweistöckigen Bahnwagen, pro Wagen unten und oben je 4 Fahrzeuge. Wir können das Fahrzeug verlassen und uns die Füsse vertreten. Pünktlich um 10.06 Uhr kommt der Zug in Fahrt und nach 35 Minuten Fahrzeit treffen wir in Calais ein. Wir nehmen den selben Weg zurück, den wir gekommen sind. Wohlbehütet, aber von der langen Reise etwas müde landen wir um ca. 18.30 Uhr in Augst.
Vielen Dank an Maria und Markus, die uns mit Ihrem unermüdlichen Einsatz und mustergültigen Organisationstalent diese Reise überhaupt ermöglicht haben! Diese wunderbaren, erlebnisreichen Tage in Wales, England und Schottland werden uns noch lange in bester Erinnerung bleiben!


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